Für die Menschen, für Westfalen-Lippe

Auszeichnung auf dem Gebiet der Essstörungen

Mit dem Aufruf „Forsch mit uns!“ sucht die Forschungsabteilung der LWL-Universitätsklinik Hamm Jungen und Mädchen, die Lust haben, an den unterschiedlichen Studien teilzunehmen.
Bereits zum dritten Mal in Folge wurde Professorin Dr. Tanja Legenbauer auf dem Gebiet der Essstörungen in der neuen Focus-Ärzteliste ausgezeichnet.

 

Kompetenzzentrum zur Behandlung und Erforschung von Essstörungen im Kindes- und Jugendalter

Pressemeldung vom 11.07.2019

 

Hamm (lwl). Zum dritten Mal in Folge ist Professorin Dr. Tanja Legenbauer, Leiterin der Forschungsabteilung in der LWL-Universitätsklinik Hamm, als TOP-Medizinerin 2019 in der neuen Focus-Ärzteliste ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung erhielt sie als Expertin auf dem Gebiet der Essstörungen. Eine Nennung beruht sowohl auf Empfehlungen von Kollegen als auch Patienten sowie auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

 

 „Wir freuen uns, dass die Auszeichnung nun im dritten Jahr eine gewisse Kontinuität zeigt. Für uns ist das gleichzeitig auch ein Ansporn, uns auf diesem Gebiet stets weiterzuentwickeln“, bekräftigt Professor Dr. Dr. Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehört. Das ist insbesondere durch die enge Verzahnung mit der Forschungsabteilung auf dem Klinikgelände möglich: Hier fließen neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse direkt in die Behandlung ein und kommen so den Patientinnen und Patienten zugute.

 

Spezialisiertes Therapiekonzept

Essstörungen sind ein wichtiger Behandlungsschwerpunkt in der Klinik. Bereits 2013 wurde hier ein spezialisiertes stationäres Therapiekonzept im Jugendbereich entwickelt und seitdem fortgeführt. Ein multiprofessionelles Team kümmert sich sowohl um die Patientinnen und Patienten als auch um ihre Familien, die eingebunden werden müssen, damit die Patienten optimal unterstützt werden können. Somit hat sich die Klinik zu einem Kompetenzzentrum für Essstörungen entwickelt, mit einem ambulanten Angebot in Form einer Essstörungssprechstunde bei Fragen und Beratung zur Behandlung, einem stationären Behandlungskonzept sowie dem Forschungsschwerpunkt Essstörungen.

 

Wir sprachen mit Prof. Legenbauer über das Essstörungs-Konzept in der Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

 

Insbesondere in der Pubertät neigen einige Jugendliche zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Essen und ihrer Figur. Wann liegt eine Essstörung vor, die behandelt werden muss?

 

Tanja Legenbauer: Wenn sich die Gedanken vornehmlich um Essen, Figur und Gewicht drehen, soziale Aktivitäten vernachlässigt werden, das Gewicht dramatisch abnimmt oder der Verdacht besteht, dass die Kinder und Jugendlichen ungesunde Maßnahmen durchführen, um Gewicht zu verlieren. Dazu gehören neben sehr stark kontrolliertem und eingeschränktem Essverhalten auch exzessives Sporttreiben, durchaus auch zu unpassenden Tageszeiten und Erbrechen nach den Mahlzeiten. Der Einstieg der Essstörung erfolgt oft über eine Diät, weil die Betroffenen unzufrieden mit dem eigenen Körper sind. Mit der Gewichtsabnahme erleben die meisten positive Rückmeldungen zum Körper. Außerdem haben sie das Gefühl, etwas beeinflussen zu können und erleben diese Kontrolle über den eigenen Körper als etwas sehr positives. Oft kommt nach den ersten positiven Erlebnissen dann eine Beeinträchtigung der Stimmung. Die Gedanken drehen sich nur noch um den Körper, das Gewicht und was wann wie gegessen werden kann. Konflikte in der Familie und mit Freunden treten auf. Die Umwelt macht sich Sorgen aufgrund der Gewichtsabnahme. Spätestens dann sollte gehandelt und sich Rat und Unterstützung durch eine Fachkraft gesucht werden.

 

Wie sieht eine stationäre Therapie für Jugendliche aus und wie lange dauert sie?

 

Tanja Legenbauer: Im Rahmen der stationären Behandlung lernen die Betroffenen wieder regelmäßig und ausgewogen zu essen und ihren Körper mit einem gesunden Gewicht zu akzeptieren. Die mit der Essstörung in Zusammenhang stehenden Bedingungen und Konflikte werden beleuchtet und Strategien zur Bewältigung vermittelt. Je nach Art der Essstörung kann eine Behandlung durchaus mehrere Monate dauern. Dies muss nicht unbedingt nur stationär erfolgen. Gerade ein gestufter Übergang beispielsweise über eine tagesklinische Behandlung und eine gute ambulante Nachbetreuung sind enorm wichtig, um den Behandlungserfolg zu stabilisieren.

 

Welche neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Essstörungen gibt es und wie werden sie in der Therapie berücksichtigt?

 

Tanja Legenbauer: Wir wissen, dass die Behandlung des negativen Körperbildes sehr wichtig ist und bieten daher eine spezielle Körperbildgruppe im letzten Abschnitt der Behandlung an. Viele Studien zeigen, dass insbesondere im Kindes- und Jugendalter das Einbeziehen der Eltern enorm wichtig für den dauerhaften Therapieerfolg ist. Neben den routinemäßigen therapeutischen Familiengesprächen bieten wir auch entsprechend Elternhospitationen an,  bei denen wir über alle Aspekte der Erkrankung aufklären möchten.

Auch scheint ein gut geplanter Übergang zwischen stationärer und ambulanter Betreuung für den weiteren Verlauf sehr wichtig zu sein, so dass, insofern das für die Familien möglich ist, eine tagesklinische Betreuung vor der Entlassung eingeplant werden kann.

 

Ein massiver Gewichtsverlust kann schnell lebensbedrohlich sein – welche Hilfen gibt es für Betroffene, die noch einige Zeit auf einen Therapieplatz warten müssen?

 

Tanja Legenbauer: Ganz aktuell bieten wir derzeit die Teilnahme an der Seltian-Studie an. Hier suchen wir weibliche Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren mit einer bereits diagnostizierten Magersucht oder einem Verdacht auf eine Magersucht. Hierbei wird zusätzlich, zu stützenden Gesprächen während der Wartezeit auf einen Therapieplatz, eine Smartphone-App eingesetzt, mit der Mahlzeiten und Emotionen protokolliert werden können. Dadurch erhoffen wir uns, dass eine erste Stabilisierung erzielt wird. Interessierte können sich gerne bei uns telefonisch unter 02381 893-3000 melden.

 

Kontaktaufnahme:

Eine Anmeldung zur Essstörungskonzeptbehandlung kann über die Institutsambulanz der Klinik telefonisch unter 02381 893-3000 erfolgen. Auch vorstationäre Gespräche sind möglich.

 

Weitere Informationen über das Kompetenzzentrum zur Behandlung und Erforschung von Essstörungen im Kindes- und Jugendalter.

 

 

 

Pressekontakt

 

Klaudia Suilmann M.A.

Tel.: 02381 893-5018

Fax: 02381 893-1119

E-Mail: klaudia.suilmann@dont-want-spam.lwl.org

 

Postanschrift

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
LWL-Universitätsklinik Hamm

Kinder- und Jugendpsychiatrie - Psychotherapie - Psychosomatik

Heithofer Allee 64

59071 Hamm

LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum

 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen

Heithofer Allee 64
59071 Hamm
Telefon: 02381/893-0
Telefax: 02381/893-1001
E-Mail: lwl-klinik.hamm@lwl.org


Opens internal link in current windowSo erreichen Sie uns

Zertifiziert nach

Zertifiziert nach den Regeln der Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen GmbH (KTQ-GmbH) Registrier-Nr.: 2018-0068 KH

Zertifikat seit 2011 audit berufundfamilie