Für die Menschen, für Westfalen-Lippe

Ein Urgestein der Psychomotorik verlässt seine Wirkungsstätte

Mit dem Aufruf „Forsch mit uns!“ sucht die Forschungsabteilung der LWL-Universitätsklinik Hamm Jungen und Mädchen, die Lust haben, an den unterschiedlichen Studien teilzunehmen.
Horst Göbel, Leiter der Psychomotorik in der LWL-Universitätsklinik Hamm, hat die Psychomotorik im In- und Ausland bekannt gemacht.

 

Nach über 40 Jahren als Leiter der Psychomotorik in der LWL-Universitätsklinik Hamm verabschiedet sich Horst Göbel in den Ruhestand

Pressemeldung vom 27.08.2019

 

Hamm (lwl). In Medienberichten wird er schon mal als „Papst“ oder „Urgestein“ der Psychomotorik bezeichnet, die Rede ist von Horst Göbel, Leiter der Psychomotorik in der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehört.

Nach über 40 Jahren, in der er die Psychomotorik am Standort Hamm maßgeblich weiterentwickelt hat, verabschiedet er sich nun in einen neuen Lebensabschnitt - die Bezeichnung „Ruhestand“ möchte er noch nicht so recht annehmen.

 

Ursprungsstätte der Psychomotorik

Horst Göbel kam Ende der 70er Jahre in die Klinik und arbeitete mit Ernst Kiphard, dem Begründer der Psychomotorik, eng zusammen. In der Hammer Klinik liegt die Ursprungsstätte der Psychomotorik. Er begann seine berufliche Laufbahn nach seinem Studium an der Universität in Marburg als Diplompädagoge und Sportpädagoge und trat die Nachfolge von Ernst Kiphard als Leiter der Abteilung für Psychomotorik an.

 

Es war ihm stets ein wichtiges Anliegen, die Ideen der Psychomotorik in der Hammer Universitätsklinik weiterzuentwickeln und bekannt zu machen. Unzählige Besuchergruppen aus dem In- und Ausland, zahlreiche Studentinnen und Studenten haben die Wirkungsstätte der Psychomotorik in den letzten Jahrzehnten auf dem Klinikgelände besucht. Besonderes Medieninteresse erreichten dabei die Gruppen aus Südkorea und von der Universität Wien. In einem begeisternden Mix haben sie das Konzept der „Klinischen Psychomotorischen Therapie“ (KPT) kennengelernt, dabei die Räume erkundet und die unterschiedlichen Materialien selbst ausprobiert. Als unvergessliche „Highlights“ wurden stets der Erlebnisraum „Bewegungslandschaft“ bezeichnet, in dem ein großer Therapieraum in eine abenteuerliche Spiellandschaft umgestaltet wird, aber auch praktische Übungen auf dem Airtramp - einem überdimensionalen Luftkissen, bei dem viele Übungen und Spiele rund um die Themen Gleichgewicht, Koordination, Sozialverhalten und Selbstwertstärkung umgesetzt werden – inzwischen eine Art Markenzeichen der KPT.

 

Die Mitarbeit in zahlreichen Gremien, Fortbildungseinrichtungen und Universitäten im In- und Ausland trug ebenso zum Bekanntheitsgrad der Klinischen Psychomotorik bei wie zahlreiche Artikel in der regionalen Presse und in Fachorganen. So ist Horst Göbel bereits seit zwölf Jahren Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychomotorik.

Wir sprachen mit ihm über die Wirkungsweise der Psychomotorik und welche Entwicklungsmöglichkeiten er für die Zukunft sieht.

 

Was kann die Psychomotorik bei psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen bewirken?

 

Horst Göbel: Primäres Ziel der Psychomotorik ist – zunächst einmal unabhängig von einem Krankheitsbild - die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung durch passgenaue Angebote von Spiel und Bewegung in einer geeigneten Kleingruppe. So finden wir für jedes Kind und jeden Jugendlichen Angebote, die es da abholen, wo es gerade steht. So werden in kurzer Zeit Erfolgserlebnisse und positive Sozialkontakte vermittelt, die zur Selbstwertstärkung und Selbstsicherheit beitragen. Die Psychomotorik ist ein Angebot, das bei den meisten Lern-, Leistungs-, Entwicklungsverzögerungen und psychiatrischen Krankheitsbildern im Rahmen der Gesamttherapie unterstützend eingesetzt wird. Nach meinen Erfahrungen sind die folgenden Faktoren für einen Erfolg entscheidend: Die Persönlichkeit und Qualifikation des Therapeuten, die geeignete Therapiegruppe, die räumlichen Möglichkeiten der Angebote sowie die materialen Möglichkeiten.

 

Ein konkretes Beispiel, bitte?

 

Horst Göbel: Ein eher ängstliches, zurückhaltendes Kind, das auch mit anderen nicht so recht in Kontakt kommt, erfährt in der Bewegungslandschaft, dass es Angst überwinden kann. Es lernt, an einem Kletterturm zunehmend höher zu klettern, schließlich herabzuspringen, immer höhere Sprünge auf einem Trampolin zu meistern, über schmale Stege zu balancieren („schau mal, was ich kann“), sich schließlich an Partner- und Gruppenspielen zu beteiligen und somit immer offener und fröhlicher zu werden.

 

Andererseits lernt ein umtriebiges, hyperaktives Kind sich zurück zu nehmen, erstmal zu schauen, ob es über einen „Graben“ von einer zur anderen Matte springen kann, es lernt abzuwarten, bis es an der Reihe ist, einen Balancierweg zu betreten oder auf einer Schaukel mitzumachen. Es lernt, sich zu konzentrieren, denn wer unaufmerksam ist, kann leicht abstürzen. Im Wechsel zwischen intensiven Bewegungsphasen und Selbstbeherrschungsübungen kann es erfahren, dass es gut tut, einmal ganz still zu liegen. Das sind nur kleine Beispiele aus der Vielzahl von Möglichkeiten, Kindern- und Jugendlichen mit unterschiedlichen Problemstellungen in einem mehrdimensionalen Setting individualisierte Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten.

 

Wie hat sich dieser Bereich in den vier Jahrzehnten in der Klinik entwickelt? Worauf sind Sie besonders stolz?

 

Horst Göbel: Die Psychomotorik hat es geschafft, mit den Entwicklungen in Wissenschaft und Praxis mitzuhalten, teilweise selbst dazu Anstöße gegeben und auch eigene Testverfahren entwickelt. Schwerpunkte wie Bewegungslandschaft und Airtramp etablierten sich zu Markenzeichen, die Installierung eines mobilen Hochseilgartens wurde erfolgreich ins psychomotorische Therapieangebot unserer Klinik aufgenommen. So genießt unsere Abteilung klinikintern, aber auch über die Landesgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf und ist in der Fachliteratur unter „Klinische Psychomotorische Therapie (KPT)“ verankert. Es wurden kontinuierlich Kooperationen entwickelt mit Fachschulen und Hochschulen/Universitäten im In- und Ausland. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir im Zusammenklang von spezifisch ausgebildeten, sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unserem Konzept, der räumlichen und materialen Ausstattung als beispielhaft gelten. Die Erfolge sind daher einer über vielen Jahre gelungenen Teamarbeit zu verdanken.

 

Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Zukunft?

 

Horst Göbel: Die Fachabteilung für KPT ist fachlich und institutionell gut vernetzt, auch für die Leitungsposition konnte mit meinem Nachfolger Herrn Alexander Hetke nahtlos ein Generationswechsel mit moderner Fachqualifikation (Hochschulabschluss als Motologe M.A.) vorbereitet werden. Geplant ist auch, die Bereiche Wissenschaft und Forschung noch stärker als bisher weiterzuentwickeln. Daher bin ich sehr optimistisch, dass die klinische Psychomotorik auch künftig ihren Beitrag als ein Alleinstellungsmerkmal im Gesamtbehandlungskonzept der LWL-Universitätsklinik Hamm leisten wird.

 

 

Pressekontakt

 

Klaudia Suilmann M.A.

Tel.: 02381 893-5018

Fax: 02381 893-1119

E-Mail: klaudia.suilmann@dont-want-spam.lwl.org

 

Postanschrift

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
LWL-Universitätsklinik Hamm

Kinder- und Jugendpsychiatrie - Psychotherapie - Psychosomatik

Heithofer Allee 64

59071 Hamm

LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum

 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen

Heithofer Allee 64
59071 Hamm
Telefon: 02381/893-0
Telefax: 02381/893-1001
E-Mail: lwl-klinik.hamm@lwl.org


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