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Neurofeedback

Neurofeedback ist ein verhaltenstherapeutisch fundiertes Verfahren, das über eine gelernte Modifikation von Hirnströmen die Verbesserung insbesondere der Selbstregulations-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit bei ADHS anstrebt.

 

Messbare Veränderung der Gehirnströme

 

Grundlage für den Einsatz von Neurofeedback ist das Wissen um Veränderungen der Hirnströme bei ADHS, da ADHS-Patienten im Elektroenzephalogramm (EEG) Veränderungen im Vergleich zu gesunden Kindern aufweisen. Insbesondere eine vermehrt langsame Hirnaktivität wird bei Kindern mit ADHS beschrieben. Gemessen werden unterschiedliche Frequenzen, welche – vereinfacht dargestellt – ein Verhaltenskontinuum von Tiefschlaf und Schläfrigkeit über den entspannten Wachzustand und wacher Aufmerksamkeit abbilden. Als nützliches Maß gilt das Verhältnis von langsamer zu schneller Aktivität (Theta/Beta-Ratio), das viele Kinder mit und ohne ADHS voneinander unterscheidet.

 

Beim Neurofeedback lernt der Patient schrittweise, seine Hirnaktivität, die der Aufmerksamkeit und Steuerung sonst nicht zugänglich ist, wahrzunehmen und sie zu verändern. Bisher wurden zwei Strategien beim Neurofeedbacktraining angewandt:

 

  • Theta/Beta-Training oder Frequenzfeedback: Das Feedback der Aktivität in den Frequenzbändern Theta (Verringerung) und Beta (Steigerung) soll das Gehirn aktivieren und damit Defizite in der Aufmerksamkeit reduzieren.

  • SCP-Training: Ziel ist die Veränderung langsamer kortikaler Potenziale (slow cortical potentials, SCP). Die SCP spiegeln das Erregungsniveau der oberen Schichten der Hirnrinde wider.

 

Wirkungsmechanismus noch nicht klar

 

Trotz der mittlerweile guten Forschungslage zur Wirksamkeit von Neurofeedback auf die ADHS-Kernsymptome, ist der eigentliche Wirkmechanismus dieser Behandlung noch nicht verstanden. Zudem bleibt offen, ob die durch das Neurofeedback erzielten Veränderungen spezifisch auf dem EEG-Feedback an sich beruhen oder auf Faktoren zurückzuführen sind, die eher mit unspezifischen Begleitumständen dieses Verfahrens zusammenhängen.

 

In unserem Neurofeedback-Schwerpunkt führen wir aktuell eine Studien mit SCP-Trainingsprotokoll durch, welche sich insbesondere der spezifischen Wirksamkeit von Neurofeedback im Vergleich zu einem muskulären Biofeedbackverfahren widmet, sowie eine Studie zur Wirksamkeit des Neurofeedback auf Begleitsymptome der ADHS im Sinne mangelhafter Emotionsregulationsstrategien.

 

Aktuell laufende Projekte zum Thema Neurofeedback:

Titel:
Neurofeedback bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

 

Förderung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Klinische Studien (DFG HO2503 4/1).

 

Projektkoordination und Ansprechpartner in Hamm:

Thorsten Bogen, M.Sc.

 

Projektverantwortliche:

  • Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, LWL-Universitätsklinik Hamm
  • PD Dr. Ute Strehl, Tübingen

 

Laufzeit:

2008 - laufend

 

Hintergrund:
In dieser Multicenter-Studie soll die spezifische Wirksamkeit von Neurofeedback auf die Kernsymptome der ADHS untersucht werden.  

 

Ziele:

Primäres Ziel ist die Untersuchung der spezifischen Wirksamkeit von Neurofeedback auf die Kernsymptome der ADHS. Es handelt sich um eine Multicenter-Studie, die in Frankfurt, Göttingen, Hamm, Mannheim und Tübingen durchgeführt wird.

 

Vorgehen:

Insgesamt 144 Kinder zwischen 7 und 10 Jahren mit der Diagnose ADHS-Mischtyp werden in die Studie aufgenommen. In 25 Neurofeedback-Trainingssitzungen von jeweils 60 Minuten lernen die Kinder, ihre Hirnaktivität in einem bestimmten Bereich bewusst zu beeinflussen. Als Kontrollbedingung dient eine andere Form des Biofeedback-Trainings, das so genannte EMG-Biofeedback. In dieser Gruppe wird das Feedbackobjekt nicht mittels der Hirnaktivität gesteuert, sondern durch bestimmte Muskelkontraktionen. Für alle Studienteilnehmer sind die Abläufe identisch. Vor Beginn der  Trainingssitzungen werden neuropsychologische Tests  und eine umfangreiche EEG-Untersuchung durchgeführt. Darüber hinaus werden verschiedene Verhaltensdaten erhoben. Diese Testungen werden direkt im Anschluss an die Trainingssitzungen sowie im weiteren Verlauf über 1 Jahr zu zwei Folgeterminen erneut durchgeführt, um die Stabilität der Wirksamkeit zu prüfen.

 

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Titel:
Normalisiert das Lernen von Selbstkontrolle das Belohnungssystem und die Fehlerverarbeitung bei ADHS? Eine fMRI/ERP/Neurofeedback-Studie

 

Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft; Teilprojekt des SFB 636 Lernen, Plastizität, Gedächtnis

 

Projektverantwortliche:
Professor Dr. Daniel Brandeis
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters  I 5
68159 Mannheim

 

Professor Dr. Tobias Banaschewski
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters  I 5
68159 Mannheim

 

Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann

LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Heithofer Allee 64

59071 Hamm

 

Laufzeit:
2010 –

 

Hintergrund:
Obwohl das Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) weit verbreitet ist und man bei einem Großteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit psychotherapeutischen und/oder medikamentösen Therapien helfen kann, sind dennoch die Entstehungswege und die Ursachen von ADHS noch weitgehend unerforscht. Neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft deuten darauf hin, dass die Veränderungen bei ADHS unter Umständen bestimmten Hirnbereichen und Denkprozessen zugeordnet werden können. Der Prozess des belohnungsabhängigen Lernens und die beteiligten Hirnregionen scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.

 

Ziel:
Das vorliegende Projekt soll mittels neuropsychologischer Testverfahren, einer Elektro-Encephalogramm (EEG)-gekoppelten Fehlerverarbeitungsaufgabe und eines monetären Belohnungs-Paradigmas, welches mit funktioneller Kemspintomographie (fMRT) erfasst wird, die kognitiven und neuronalen Korrelate dieser Prozesse bei 52 Patienten mit ADHS und 26 gesunden Kontrollpersonen untersuchen und die Möglichkeit ihrer Veränderung durch das Erlernen von Selbstregulation himelektrischer Aktivierung durch operantes Lemen (Neurofeedback) prüfen.

 

Vorgehen:
Teilnehmen können an der Studie Mädchen und Jungen mit der Diagnose einer hyperkinetischen Störung nach ICD 10- Kriterien zwischen 12 und 14 Jahren, auch werden gesunde Kinder desselben Alters als Kontrollprobanden teilnehmen. Mittels EEG wird der zeitliche Verlauf der Informationsverarbeitung im Hirn gemessen. Die Kernspintomographie ist ein modernes, bildgebendes Verfahren, das die Hirnaktivität sichtbar und messbar macht. Die gleichzeitige EEG-Kernspinmessung zeigt noch genauer, wann und wo die Aktivität auftritt. Durch den Vergleich der Gehirnaktivitäten vor und nach den Behandlungen, können die Auswirkungen des Trainings überprüft werden. Die Patienten erhalten dazu in einem Parallelgruppendesign 10 Trainingseinheiten Neurofeedback oder elektromyographisches Biofeedback (EMG). Es wird erwartet, dass bei Patienten mit ADHS Erfolg im Neurofeedback mit einer Normalisierung der Aktivierungsmuster in Hirnregionen einhergeht, die mit der Antizipation von Belohnung und Bestrafung und mit dem Einsatz kognitiver Kontrollprozesse assoziiert sind.

 

In Vorbereitung befindliche Projekte:

 

Titel:

Verbessert Neurofeedback die Emotionsregulation bei Jugendlichen mit ADHS? – Eine Pilotstudie.

 

Laufzeit:

06/2012 – 05/2013

 

Projektkoordination und Ansprechpartner in Hamm:

Thorsten Bogen, M. Sc. Psychologie

E-mail: thorsten.bogen@wkp-lwl.org

 

Projektverantwortliche:

Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor

 Thorsten Bogen, M. Sc.

 

Hintergrund:

Während die Kernsymptome der ADHS zumeist gut mit einer Kombination aus Psycho- und Pharmakotherapie behandelt werden können, gilt dies für die bei ca. 20% der Kinder und Jugendlichen zusätzlich auftretende Begleitsymptomatik der affektiven Dysregulation nicht uneingeschränkt. Zum begleitenden Symptomkomplex der affektiven Dysregulation gehören hohe Irritabilität, nicht-episodische, chronische Reizbarkeit und Aggressivität. Besonders bedeutsam sind diese Defizite der Emotionsregulation aufgrund der schlechten Langzeitprognosen für die betroffenen Patienten. Aus der Meditationsforschung ist ein Zusammenhang zwischen Emotionsregulation und der Aktivität im Gamma-Band des EEGs berichtet worden. Hierin kann ein Ansatzpunkt für eine neuartige Therapieform zur Verbesserung der Emotionsregulation liegen. Eine Erhöhung der Gamma-Band Aktivität durch Neurofeedback könnte zu einer Verbesserung der Emotionsregulation führen.

 

Ziele:

Im Rahmen dieser Pilotstudie soll die Anwendbarkeit des Gamma-Band Neurofeedback-Trainings  in einer Stichprobe aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie untersucht werden. Es wird überprüft, ob Neurofeedback des Gamma-Frequenzbereichs Effekte auf die Emotionsregulation hat.

 

Vorgehen:
40 Patientinnen und Patienten zwischen 13 und 18 Jahren werden randomisiert und anschließend mit Gamma-Band Neurofeedback trainiert (Experimentalgruppe) bzw. erhalten das Treatment as usual (TAU; Kontrollgruppe). Vor und unmittelbar nach der Trainingsphase wird in beiden Gruppen eine umfassende neuropsychologische Testbatterie durchgeführt, zusätzlich werden behaviorale Parameter mit Fragebögen (Fremd- und Selbsteinschätzung) erhoben. Es werden nachfolgend Prä- und Posttest Vergleiche analysiert.

 

Kongressbeiträge:

  • Jensch, T., Bogen, T., Heiler, S. & Holtmann, M. (2010). Fördert Neurofeedback die Affektregulation und die Empathiefähigkeit? – Rationale und Design einer Pilotstudie. (Poster). XVIII. Tagung des Biologischen Arbeitskreises Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ulm.
  • Jensch, T., Bogen, T., Heiler, S. & Holtmann, M. (2011). Fördert Neurofeedback die Affektregulation und die Empathiefähigkeit? – Rationale und Design einer Pilotstudie. (Poster). Wissenschaftliche Tagung Autismus Spektrum (WTAS), Berlin.
  • Bogen, T., Legenbauer, T., Heiler, S., Jensch, T. & Holtmann, M. (2011). From Meditation to Neurofeedback – Emotional Control and Empathy Enhancement: A Pilot Study. 22nd Meeting of the European Network of Hyperkinetic Disorders (EUNETHYDIS), Budapest, Ungarn.

LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum


Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen

Heithofer Allee 64
59071 Hamm
Telefon: 02381/893-0
Telefax: 02381/893-1001
E-Mail: lwl-klinik.hamm@wkp-lwl.org


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