Für die Menschen, für Westfalen-Lippe

Psychische Erkrankungen richtig erfassen und behandeln

Mit dem Aufruf „Forsch mit uns!“ sucht die Forschungsabteilung der LWL-Universitätsklinik Hamm Jungen und Mädchen, die Lust haben, an den unterschiedlichen Studien teilzunehmen.
Beim Frühjahrssymposium in der LWL-Universitätsklinik Hamm diskutierten Fachleute den Einsatz von Leitlinien in der Praxis. Von links: Dipl.-Psych. Claus Lechmann, Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann (Ärztlicher Direktor LWL-Universitätsklinik Hamm), Prof. Dr. Tanja Legenbauer (Leiterin der Forschungsabteilung LWL-Universitätsklinik Hamm) und Prof. Dr. Benno Schimmelmann.

Fachleute diskutieren den Umgang mit Leitlinien beim Frühjahrssymposium in der LWL-Universitätsklinik Hamm

Pressemeldung vom 23.05.2019

 

Hamm (lwl). Psychische Erkrankungen wie Psychosen, Autismus oder ADHS im Kindes- und Jugendalter richtig zu erkennen ist Voraussetzung für eine optimale Behandlung. Eine gute Orientierung sollen Leitlinien bieten, die von Fachleuten für jedes Erkrankungsbild erstellt werden. Doch mittlerweile ist es gar nicht so einfach, den richtigen Durchblick in den jeweiligen Leitlinien zu finden. Einen kompakten Überblick über Neuerungen und über relevante Aspekte für den praktischen Alltag gab eine Veranstaltung mit dem Titel „Neue Leitlinien: Von der Evidenz zur klinischen Praxis“ in der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm, die zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehört. Dazu wurden die Leitlinien zur Schizo­phrenie, zu Autismus und zur ADHS ausgewählt, die entweder teilweise veröffentlicht wurden oder kurz vor der Fertigstellung stehen. Professor Dr. Dr. Martin Holtmann ist Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm und erklärt, wie Leitlinien in der Praxis optimal genutzt werden können.

 

Herr Professor Holtmann, Leitlinien sollen Orientierung bieten, teilweise wird jedoch das Gegenteil erreicht. Wie kommt es zu diesem Leitlinien-Dschungel?

 

Martin Holtmann: In den vergangenen Jahren sind für eine ganze Reihe von kinder- und jugendpsychiatrischen Störungsbildern neue Leitlinien erstellt oder bestehende Leitlinien aktualisiert wor­den. Leitlinien haben den Anspruch, die Entscheidungsfin­dung für einzelne Patienten in spezifischen Situationen zu erleichtern und somit zu einer angemessenen, vielleicht auch besseren Versorgung zu führen. Mittlerweile sind Leitlinien jedoch teilweise so umfangreich geraten, dass sich die Frage stellt, ob sie ihrer Funktion als Hilfen bei der Entscheidungsfindung ausreichend gerecht werden. Wir stehen vor der Herausforderung, aus der Fülle von Informationen für den individuellen Fall die relevanten Schritte abzuleiten.

 

Welche Empfehlung geben Sie Fachleuten im Umgang mit Leitlinien in der Praxis?

 

Martin Holtmann: Leitlinien geben mir als Behandler eine Orientierung über den aktuellen Wissensstand zur Diagnostik und Therapie. Sie nehmen es mir aber nicht ab, im Einzelfall abzuwägen, welche Behandlung die passende ist. Vielleicht liegen bei meinem Patienten begleitende Erkrankungen vor, die zum Beispiel ein begründetes Abweichen von den Leitlinien notwendig machen. Mein Rat an die Ärzte und Therapeuten ist, sich zumindest mit den allgemein zugänglichen Kurzfassungen der Leitlinien vertraut zu machen, die unentgeltlich im Internet verfügbar sind (www.dgkjp.de/leitlinien-top). Eine gute Möglichkeit ist es dann, im Rahmen von Qualitätszirkeln beispielhafte Fallkonstellationen vorzustellen und mit Kollegen zu diskutieren.

 

Welchen Nutzen haben die Patientinnen und Patienten, wenn die Leitlinien optimal eingesetzt werden können?

 

Martin Holtmann: Wenn Ärzte und Therapeuten sich an Leitlinien orientieren, haben die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien die Sicherheit, dass ihnen die nach jetzigem Wissensstand wirksamste Behandlung angeboten wird. Viele Patienten suchen aktuell Informationen zu ihrer Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten im Internet. Dabei stoßen sie oft auf ungeprüfte, teilweise sogar unseriöse Angaben oder auf Aussagen einzelner Betroffener, die oft nicht auf andere übertragbar sind. Im Gegensatz dazu sind die Empfehlungen der Leitlinien auf der Basis des besten verfügbaren Wissens erstellt worden.

Hilfreich wäre es allerdings aus meiner Sicht, die bestehenden Leitlinien auch in verständlicher Sprache für Patienten zu „übersetzen“. Solche Patienten-Leitlinien wären eine große Unterstützung und würden den Jugendlichen und ihren Familien wichtige Informationen zur Diagnose und Behandlung vermitteln.

 

 

Pressekontakt

 

Klaudia Suilmann M.A.

Tel.: 02381 893-5018

Fax: 02381 893-1119

E-Mail: klaudia.suilmann@dont-want-spam.lwl.org

 

Postanschrift

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
LWL-Universitätsklinik Hamm

Kinder- und Jugendpsychiatrie - Psychotherapie - Psychosomatik

Heithofer Allee 64

59071 Hamm

LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum

 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen

Heithofer Allee 64
59071 Hamm
Telefon: 02381/893-0
Telefax: 02381/893-1001
E-Mail: lwl-klinik.hamm@lwl.org


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